[Rezension] Kukolka – Lana Lux

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Hallo meine Lieben,

es ist Sonntag und somit wartet heute wieder ein Beitrag auf euch :) Nachdem ich vorhin wählen war, habe ich mich nun hingesetzt, um die Rezension zu Kukolka zu schreiben. Ich habe das eBook freundlicherweise von NetGalley zur Verfügung gestellt bekommen. Viel Spaß beim Lesen!

Titel: Kukolka
Autorin: Lana Lux
Verlag: Aufbau Verlag
Seiten: 375
ISBN: 978-3-351-03693-5
Preis: 22,00 €

Kukolka
Aufbau Verlag

Klappentext:

Ukraine, 90er Jahre. Große Party der Freiheit. Manche tanzen und fressen oben auf dem Trümmerhaufen der Sowjetunion, andere versuchen noch, ihn zu erklimmen. Auch Samira. Mit sieben Jahren macht sie sich auf die Suche nach Freiheit und Wohlstand. Während teure Autos die Straßen schmücken, lebt Samira mit ein paar anderen Kids in einem Haus, wo es keinen Strom, kein warmes Wasser und kein Klo gibt. Aber es geht ihr bestens. Sie hat ein eigenes Sofa zum Schlafen und eine fast erwachsene Freundin, die ihr alles beibringt. Außerdem hat sie einen Job, und den macht sie gut: betteln. Niemand kann diesem schönen Kind widerstehen, auch Rocky nicht. Er nennt sie Kukolka, Püppchen. Wenn Kukolka ihn lange genug massiert, gibt er ihr sogar Schokolade. Alles scheint perfekt zu sein. Doch Samira hält an ihrem Traum von Deutschland fest. Und ihr Traum wird in Erfüllung gehen, komme, was wolle. [Quelle: Aufbau Verlag]

Meine Meinung:

Das Buch ist bedrückend. Macht sprachlos. Nimmt den Leser auf eine Reise mit, die man selbst niemals machen möchte. Und das alles erzählt aus der jungen und oftmals naiven Sicht von Samira, die einfach nur hofft, ihr Glück im Leben zu finden.
Samira ist ein schlaues Mädchen, das weiß, wann sie sich anpassen und den Mund halten muss. Das war schon im Kinderheim so, in dem das Buch startet. Sie erinnert sich nicht, wie sie dort gelandet ist. Aber die ersten Dinge, an die sie sich erinnern kann, sind im Heim geschehen. Sie merkt schnell, dass sie keine Freundschaften schließen darf und vieles einfach hinnehmen muss, da sie sonst eine Tracht Prügel von den Erzieherinnen bekommt. Irgendwann will sie so nicht mehr leben. Fühlt sich hintergangen und glaubt, dass etwas Besseres auf sie wartet. Deshalb läuft sie weg und landet letztlich bei Rocky, der sie mit zu sich nach Hause nimmt. Dort sind noch weitere Kinder, die für Rocky auf die Straße gehen und betteln oder klauen. Diese Gruppe wird für Samira zu einem Familienersatz und so nimmt sie gemeinsam mit den anderen Kindern einiges hin. Denn sie haben ja nur diese Familie. Doch mit der Zeit wird das Leben bei Rocky unerträglich für Samira. Sie muss Dinge tun, die sie nicht gern macht, vor denen sie sich ekelt. Und doch tut sie sie, weil sie einfach nicht anders kann. Sie sieht keinen Ausweg. Denn um ihren Traum, eine Sängerin zu werden, näher zu kommen, braucht sie Unterstützung. Und Rocky kann ihr hierbei helfen. Er nimmt sie mit zu Bekannten und während diese Pokern oder Orgien feiern, soll sie für die Anwesenden singen. Rocky liebt ihr Stimme. Deshalb soll sie fortan auch auf der Straße singen, um ihm noch mehr Geld zu beschaffen. Doch soll das alles sein?

Dann begegnet sie Dima. Er ist ein gut aussehender junger Mann, der sie auf der Straße umwirbt. In ihm sieht sie den Ausweg aus ihrem Leben bei Rocky. Sie geht mit ihm mit. Er verspricht ihr das Beste vom Besten. Will ihren großen Wunsch nach einem Leben in Deutschland erfüllen. Trägt sie die erste Zeit auf Händen. Beschenkt sie. Er ist perfekt. Zumindest in Samiras Augen. Denn niemand hat vorher solche tollen Sachen für sie gemacht. In seiner Wohnung gibt es so viel mehr als bei Rocky. Dort hatten sie weder Strom noch warmes Wasser. Doch bei Dima ist alles toll. Dem Leser wird allerdings schnell klar, dass da etwas nicht stimmen kann, dass Samira viele Eigenarten von Dima einfach hinnimmt, weil sie es nicht anders kennt. Denn zur Erinnerung: sie ist 13 Jahre alt, als sie Dima trifft und zu ihm zieht. DREIZEHN. Dieses Mädchen hat so viel mitgemacht in ihren jungen Jahren. Da wirkt Dima buchstäblich wie der Prinz auf dem weißen Pferd. Was macht es da schon, dass er Sachen von ihr verlangt, auf die sie eigentlich keine Lust hat, die sie verletzen und ihr Leben nach und nach zerstören?

Lux schafft es, Themen rund um Kinderarmut, Vergewaltigung, Misshandlung, Prostitution und vollkommene Abhängigkeit so neutral und nüchtern zu beschreiben, dass ich zwischendurch immer wieder eine Gänsehaut bekommen habe. Sie schreibt aus der Sicht von Samira, die sehr naiv dargestellt wird. Diese Naivität findet sich auch im Schreibstil von Lux wider. Es ist unglaublich und macht sprachlos. Samira ist in ihren jungen Jahren schon so abgestumpft, lässt vieles einfach über sich ergehen und versucht, in dieser Zeit an andere Dinge zu denken, sich abzulenken. Es ist schrecklich, so etwas zu lesen. Doch trotzdem hofft sie zwischendurch immer noch auf ihr Happy End. Sie kann nicht glauben, dass ihr Leben wirklich so abläuft.

Während des Lesens musste ich mir immer wieder vor Augen führen, wie alt Samira ist und was sie schon alles erleiden musste in diesen wenigen Jahren ihres Lebens. Es macht mich wütend, dass es soweit kommen kann. Dass Kinder einfach unter dem Radar hindurch schlüpfen und vor sich hin leben können, ohne dass jemand eingreift und ihnen hilft. Samira ist ein junges Mädchen, das so viel durchgemacht hat und mit der Zeit einfach nur funktionieren muss. Wie eine Maschine. Sie wird ausgenutzt, weil sie niemanden hat, der ihr hilft. Niemand, der sich für sie einsetzt oder sie einfach nur in den Arm nimmt.

Mir war das aber eigentlich egal geworden. Ich dachte währenddessen einfach an irgendwelche anderen Sachen. Manchmal gelang es mir, ein Geist zu werden. Wie damals Dascha. Mein Körper löste sich auf und wurde Licht. Das klappte nicht immer. Wenn es nicht klappen wollte, dann stellte ich mir vor, wie ich im Fernsehen singe. Oder wie ich mir Marina Schokolade esse.

Jeder hatte mir irgendeine andere Lüge erzählt, um mich zu manipulieren, zu formen, auszunutzen. Die Erzieherinnen, Rocky und sogar Lydia. Aber bei Dima tat es mir am meisten weh.

Fazit:

Bei Kakulka handelt es sich um ein unglaubliches Buch, das den Leser sprachlos zurück lässt. Lux schafft es mit wenigen Worten, die Situationen so real und nüchtern darzustellen, dass man zwischendurch tief durchatmen muss. Samira ist ein unglaublich tapferes Mädchen und während des Lesens hofft man einfach, dass es für sie schnell vorbei ist. Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven. Aber man sollte es trotzdem gelesen haben!

5 Gedanken zu “[Rezension] Kukolka – Lana Lux

  1. Pingback: DIE 9. BUCHSAITEN BLOGPARADE 2017 – Nana – Der Bücherblog

  2. Pingback: Rückblick 2017 – Nana – Der Bücherblog

  3. Das klingt nach einem richtig guten Buch. Zwar scheint es keine leichte Lektüre zu sein, aber für manche Bücher muss man sich einfach mal aus der Komfortzone wagen. Ging mir als letztes so mit „Und es schmilzt“ von Lize Spit. Das hat mich auch so sprachlos zurückgelassen.
    „Kakulka“ kommt auf jeden Fall auf meine Wunschliste. Danke für die schöne Buchvorstellung.
    Liebe Grüße, Julia

    1. Hallo liebe Julia,
      es freut mich, dass es das Buch durch mich auf deine Wunschliste geschafft hat. Es lohnt sich wirklich. Auch wenn es – wie du schon gesagt hast – keine leichte Kost ist. Aber es ist wirklich gut!
      Viele Grüße
      Sandra

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