[Rezension] Kleine große Schritte – Jodi Picoult

Hallo meine Lieben,

pünktlich zum Sonntag gibt es wieder eine Rezension für euch. Diesmal zu dem Roman Kleine große Schritte aus dem C.Bertelsmann-Verlag.

Kennt ihr das Buch schon? Wenn ja, dann schreibt mir doch mal, wie es  euch gefallen hat 🙂

Titel: Kleine große Schritte
Autorin: Jodi Picoult
Verlag: C. Bertelsmann
Seitenzahl: 592 Seiten
ISBN: 978-3-570-10237-4
Preis: 20,00 €

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Klappentext:
Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist. [Quelle: C. Bertelsmann]

Meine Meinung:
Mir ist das Buch zuerst durch sein Cover aufgefallen. Die Farbkombination und auch die Blumen haben mich direkt angesprochen. Bisher habe ich noch nie etwas von Picoult gelesen, aber das Thema hat mich so sehr interessiert, dass ich es einfach lesen musste.

Was mir besonders gut gefallen hat, sind die drei verschiedenen Blickwinkel der Akteure. Jedes Kapitel wird aus der Sicht eines der drei Hauptcharaktere geschrieben und erzählt seine bzw. ihre Geschichte rund um das Ereignis. Besonders erschreckend aber auch interessant fand ich die Sicht des Vaters Turk. Ein Rechter, der von klein auf einen Hass auf Ausländer hat und aus diesem auch keinen Hehl macht. Auf einem der Feste zum Gedenken an den Geburtstag von Adolf Hitler, heiratet er seine Frau Brit. Er bezeichnet diese Hochzeit als arische Hochzeit, im Kreis der eigenen Gefolgsleute mit Sieg Heil – Ausrufen. Auch wenn ich mich immer mal wieder mit dem Thema beschäftigt habe, finde ich die Beschreibungen im Buch wirklich sehr erschreckend, aber auch unglaublich authentisch dargestellt.

Aber auch die Sicht von Ruth ist erschütternd. Wir können durch ihre Erzählungen sehen, wie oft sie direkt, aber auch indirekt diskriminiert wird und wie diese Ausgrenzungen zu ihrem Leben gehören. Sie hat sie in den meisten Fällen akzeptiert, duckt sich lieber, als dass sie auffällt. Erst durch die Ausgrenzung bei der Behandlung von Davis Bauer kommt sie ins Grübeln. Warum wird gerade sie ausgegrenzt? Warum stellen sich ihre Vorgesetzten und Kollegen nicht vor sie? Und warum sitzt letztlich sie auf der Anklagebank, obwohl so viele weitere Leute Teil des „Rettungsteams“ waren? Sie hat immer daran geglaubt, durch ihre Arbeit und ihre Art akzeptiert zu werden. Doch letztlich hat sie das Gefühl, dass ihre Arbeit nur noch zweitrangig ist und ihre Hautfarbe über alles entscheidet.

Die Pflichtverteidigerin Kennedy hat bisher noch nie so einen großen und brisanten Fall vor Gericht vertreten dürfen. Sie versucht alles, um Ruths Fall fernab der Hautfarbe zu thematisieren. Denn die Karte der Hautfarbe möchte sie vor Gericht nicht spielen. Das sei unprofessionell und damit könne man niemals gewinnen. Dass es um weit mehr geht als nur zu gewinnen, das wird ihr erst im Verlauf klar. Denn bisher hat sie sich noch nie mit Hautfarben beschäftigt. Sie war der Meinung, alle werden überall gleich behandelt. Doch durch die Zusammenarbeit mit Ruth realisiert sie, dass Amerika noch sehr weit davon entfernt ist, jeden Menschen gleich zu behandeln. Sie verbringt viel Zeit mit Ruth und erfährt somit indirekt am eigenen Leibe, wie es ist, diskriminiert und ausgegrenzt zu werden.

Das Buch macht von der ersten Seite an deutlich, dass Rassismus so präsent wie kein anderes Thema ist. Es zeigt die verschiedenen Facetten, aber auch Sichtweisen auf das Thema und verdeutlicht dadurch die Kluft zwischen den verschiedenen Ansichten und Meinungen. Es sagt, dass man kämpfen muss, um endlich Gehör zu erlangen. Und zeigt auf, dass es eigentlich schon längst überfällig ist, dass man überhaupt kämpfen muss.

Das Buch verdeutlicht durch die drei verschiedenen Erzählstränge, warum die jeweilige Gruppe so handelt, wie sie handelt. Es beleuchtet die verschiedenen Denkarten und zeigt, wie die jeweiligen Personen zu diesen Einstellungen gekommen sind.

Picoult hat hier ein richtig gutes Buch auf die Beine gestellt und durch ihre Erzählart verdeutlicht, wie facettenreich bestimmte Themen aufgenommen und behandelt werden. Die Botschaft ist aber ganz klar, dass mehr gegen Rassismus unternommen werden muss, damit die Bevölkerung friedlich miteinander leben kann. Hier sieht sie ganz klar Aufholbedarf bei der Regierung.

Ich habe an das gedacht, was Odette Lawton sagte: Wäre es anders ausgegangen, wenn ich mich nicht gegen die schwarze Krankenschwester ausgesprochen  hätte? Hätte sie Davis zu retten versucht, sobald sie bemerkte, dass er nicht mehr atmete?Hätte sie ihn behandelt wie jeden anderen Patienten in kritischer Verfassung auch, anstatt mich verletzen zu wollen, wie ich sie verletzt hatte?

Fazit:
Es ist ein unglaublich gutes und wichtiges Buch, welches mir persönlich die Augen noch ein Stück weiter geöffnet hat. Eine klare Kaufempfehlung an alle, die sich mit dem Thema Rassismus auseinander setzen wollen.

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4 Gedanken zu “[Rezension] Kleine große Schritte – Jodi Picoult

  1. Pingback: {Rezension} Kleine große Schritte von Jodi Picoult | Bella's Wonderworld

  2. Pingback: [Update] Mein SuB und ich – Nana – Der Bücherblog

  3. Hey, schöne Rezension!
    Ich weiß nicht, ob du das auch weißt, aber zu diesem Buch gibt es eine kostenlose Kurzgeschichte, die die Kindheit von Ruth zeigt. Ich konnte die kostenlos über meinen Tolino herunterladen und fand Sprache, Thematik und Message auch toll!
    Nach deiner Rezension habe ich mich wieder dran erinnert und notiere mir das Buch mal in der imaginären Wunschliste 🙂
    Viele Grüße
    Siri von http://www.quergetippt.com

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Siri,
      vielen Dank für den Hinweis. Das wusste ich tatsächlich nicht und werde es gleich mal auf meine Wunschliste packen. Das klingt auf jeden Fall spannend 🙂
      Ich hoffe, dass dir das Buch auch gefallen wird, sobald du es liest 🙂
      Viele Grüße
      Sandra

      Gefällt 1 Person

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