[Rezension] Du wolltest es doch – Louise O’Neill

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Hallo meine Lieben,

heute gibt es wieder eine Rezension für euch. Diesmal geht es um Du wolltest es doch aus dem Carlsen Verlag. Vorab sei gesagt, dass dieses Buch wirklich hart war und ich beim Lesen mit mir zu kämpfen hatte.

Titel: Du wolltest es doch
Autorin: Louise O’Neill
Übersetzung: Katarina Ganslandt
Verlag: Carlsen
Seitenzahl: 368 Seiten

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Klappentext:
Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid? [Quelle: Carlsen]

Meine Meinung:
Dieses Buch behandelt ein unglaublich wichtiges Thema, erst Recht durch die #metoo – Debatte, die in den letzten Monaten um die Welt gegangen ist. Emma ist beliebt, wirkt hochnäsig und für mich als Leserin ist sie alles andere als sympathisch. Sie kommandiert ihre Freundinnen rum, scheint für fast niemanden ein nettes Wort übrig zu haben. Und doch scheint jeder sie die lieben. Sie macht gerne mit ihren Freunden Party, zeigt gerne, was sie hat und freut sich insgeheim, wenn sie wieder hört, wie schön und sexy sie ist. Sie holt sich immer wieder Bestätigung bei Männern, schläft mit ihnen und hat Spaß im Leben. Doch nachdem sie sich auf einer Party abgeschossen, mit Paul ins Schlafzimmer gegangen ist, mit ihm Sex hatte und plötzlich auch noch andere Freunde im Raum sind, verlässt sie ihre Erinnerung. Sie wird am nächsten Morgen von ihren Eltern vor ihrem Haus gefunden. Mit durch die Sonne verbrannter Haut, kaum ansprechbar, mit zerstörtem Outfit. Und ohne Unterwäsche. Keiner kann sich zu dem Zeitpunkt vorstellen, was passiert ist. Ihre eigene Familie geht davon aus, dass sie es wieder zu wild getrieben hat und dann einfach nicht mehr ins Haus gekommen ist. Die Verbrennungen werden beim Arzt behandelt und alles scheint erstmal ganz normal zu laufen. Bis sie am nächsten Tag in der Schule auftaucht und jeder sie meidet. Sogar ihre besten Freundinnen wollen sie nicht mehr bei sich sitzen lassen. Emma versteht nicht, was da passiert ist. Sie ist doch diejenige, die leidet. Sie hat diesen schlimmen Sonnenbrand. Und keine Erinnerung mehr daran, wie der Abend abgelaufen und wie sie nach Hause gekommen ist. Warum wird sie jetzt geschnitten?

Doch dann tauchen Bilder auf, die sehr eindeutig scheinen. Sie zeigen Emma nackt, umgeben von mehreren Männern. In sehr eindeutigen Posen. Diese Bilder werden auf Facebook verbreitet und kommentiert. Jeder scheint etwas zu diesen Bildern sagen zu können. Es sind erbärmliche Sätze, die kaum geschmackloser sein könnten. Und offensichtlich hat sie jeder in der Kleinstadt gesehen. Emma versteht nicht, wie das sein kann. Auf den Bildern sind Freunde von ihr, mit denen sie sich sonst immer gern in großer Runde getroffen hat. Und jetzt sowas? Nach einigem Zureden von ihrem Bruder entscheidet sie sich letztlich dazu, die Jungs anzuzeigen. Ihre Freunde.

Emma versteht die Welt nicht mehr. Kann sich noch immer nicht an den Abend bzw. die Nacht erinnern. Sie will, dass es aufhört. Sie will nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Obwohl sie es früher, vor diesem Abend, genossen und geliebt hat. Sie will verschwinden, unsichtbar sein. Sie will niemandem mehr zur Last fallen. Sie hat niemanden mehr, nur noch ihre Familie. Denn von ihren Freunden wird sie geschnitten, die Bewohner schneiden sie und geben ihr die Schuld daran, dass die Zukunft der Jungs zerstört wurde.

Dieses Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil lernen wir den Alltag von Emma kennen und erfahren, in welchem Umfeld sie aufgewachsen ist, wie ihre Familie ist und wer ihre Freunde sind. Wir sind dabei, wenn sie auf die besagte Party geht und merken, wie sie nach und nach die Kontrolle verliert. Wir entdecken mit ihr die Bilder. Wir fühlen die Scham, die sie übermannt. Und wir sind beim Gespräch mit der Schulleitung dabei, die die Bilder gesehen hat und eindeutig sagt, dass hier eine Vergewaltigung vorliegen muss. Und so kommt alles ins Rollen.

Der zweite Teil des Buches zeigt die Situation ungefähr ein Jahr später. Wir lernen eine ganz andere Emma kennen. Eine Emma, die keine Lust mehr auf das Leben hat. Die sich einigelt, niemanden sehen möchte und die versucht, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu bekommen. Doch das ist schwer, da die Vergewaltigung auch ein Jahr später noch in aller Munde ist. Und jeder hat sich hierzu eine Meinung gebildet. Nur die Wenigsten sind auf Emmas Seite. Schließlich hatte sie ein sehr kurzes Kleid an, hat vorher schon mit so vielen Typen aus der Stadt geschlafen und war betrunken. „Da ist sie doch selbst dran Schuld“ scheint der allgemeine Tenor zu lauten. Ich kam beim Lesen aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Solche Äußerungen machen mich einfach so wütend. Nur, weil jemand ein kurzes Kleid an hat und betrunken ist, ist das kein Freifahrtsschein. Wo leben wir bitte, dass so mit Menschen umgegangen wird?? Klar, Emma ist nicht sehr sympathisch. Sie hat vorher sehr viel Sex gehabt und wusste um ihre Wirkung bei Männern. Aber das gibt NIEMANDEM das Recht, sich einfach zu nehmen, was man will, ohne das Einverständnis von der Person zu bekommen. Sowas macht mich rasend.

Außerdem erfahren wir, dass nicht nur Emma, sondern die gesamte Familie geschnitten wird. Und die Situation zu Hause ist alles andere als harmonisch. Ihre Eltern können Emma kaum anschauen, geschweige denn in den Arm nehmen. Es ist eine Distanz zu spüren, die vorher nicht da war. Ihr Vater schafft es noch nicht mal, ihr morgens „Guten Morgen“ zu sagen. Und im Verlauf des Buches wird klar, dass ihre Eltern nicht wissen, ob sie Emma überhaupt glauben können. Denn durch die Presse und durch das, was sie raus finden, wird ihnen klar, dass sie Emma nicht richtig kennen. Und so zweifeln sie immer wieder an ihr. Der Einzige, der für Emma einsteht, ist ihr Bruder Bryan. Er glaubt ihr, bringt sie dazu, die Jungs anzuzeigen und meidet die gesamte Clique. Er versucht, so normal wie möglich mit Emma umzugehen. Und er ist der Einzige, der auch mal den Mund aufmacht und sagt, wie schlimm die aktuelle Situation ist und dass etwas getan werden muss. Er kann und will nicht ignorieren, dass sich Emma immer weiter isoliert und in ihrer eigenen Welt lebt.

Ich möchte nicht spoilern, aber das Ende des Buches macht mich einfach so traurig und wütend. Ich hatte gehofft, dass es eine andere Wendung nimmt. Aber ihr solltet euch ein eigenes Bild machen.

„Nein“. Das Wort kommt automatisch. Nein. Nein. Nein. Das ist das Einzige, was ich in letzter Zeit sage. Vielleicht zum Ausgleich für das eine Mal, als ich es nicht sagen konnte. Als ich nicht die Chance bekam, es zu sagen.

Fazit:
Du wolltest es doch ist ein unglaublich hartes, aber wichtiges Buch. Es zeigt vor allem, welche Auswirkungen eine Vergewaltigung hat, wenn demjenigen nicht 100% geglaubt wird und welchen Einfluss die Medien auf die Situation des Opfers haben kann. Dieses Buch macht mich einfach unglaublich wütend und traurig.

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Ein Gedanke zu “[Rezension] Du wolltest es doch – Louise O’Neill

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