[Rezension] Mauersegler – Valerie Jakob

Titel: Mauersegler
Autorin: Valerie Jakob
Verlag: Kindler / Rowohlt Verlag

Klappentext:
Zwei Frauen in unterschiedlichen Jahrzehnten im Kampf um Liebe und Selbstbestimmung: atmosphärisch, bewegend und sehr unterhaltsam erzählt
In einer Lebenskrise flüchtet sich Juliane zu ihrem Großcousin Johann an die Ostseeküste bei Greifswald. Der alte Herr lebt dort nahezu autark in einem Sommerhaus aus den 1920er Jahren, nur manchmal in Gesellschaft eines engagierten Insektenforschers. Das Haus stammt von Johanns Mutter Marianne, einer faszinierenden Frau, die als eine der ersten deutschen Pilotinnen mit ihrem Flugzeug „Mauersegler“ bis nach Afrika gekommen war. Juliane taucht immer tiefer ein in das bewegte Leben dieser schillernden Persönlichkeit und entscheidet sich für einen radikalen Tapetenwechsel: Auf Mariannes Spuren reist sie in den Senegal und macht dort eine ungeheuerliche Entdeckung – und sie erfährt, wie hoch der Preis für Freiheit und Liebe sein kann. [Quelle: Rowohlt]

Meine Meinung:
In diesem Buch geht es um Freundschaft, Leidenschaft und Verzicht. Es zeigt dem Leser, welche Möglichkeiten es im Leben fernab der vorgegebenen Muster gibt, aber auch worauf man verzichten muss, um diese Möglichkeiten erleben zu dürfen.

Mauersegler spielt zu zwei verschieden Zeiten und wir begleiten zunächst vollkommen unterschiedliche Charaktere. Erst mit der Zeit wird dem Leser klar, wie diese zwei Geschichten miteinander verbunden sind.

In der Jetzt-Zeit lernen wir Juliane kennen, die nach der Trennung ihres Freundes mehr oder weniger die Flucht ergreift und zu ihrem wenig bekannten Großcousin an die Ostseeküste flieht. Dort scheint das Leben einen ganz anderen Rhythmus zu schlagen als in Berlin, wo sie noch mit ihrem Freund zusammengewohnt hat. An der Küste schlagen die Uhren anders, alles wirkt so viel ruhiger und ausgeglichener als noch in der Hauptstadt. Und dort findet sie mit Hilfe ihres Großcousins Johann und ihres neu gewonnenen Freunds Matts über einige Umwege zurück zu sich selbst.

Die andere Geschichte spielt in den 1920er bis 1940er Jahre. Wir lernen Marianne und Roseanne kennen, zwei sehr unterschiedliche junge Frauen, die in kurzer Zeit beste Freundinnen werden und das Leben Seite an Seite meistern. Sie verhalten sich anders als man es für Frauen in dieser Zeit erwartet: Sie sind selbstbewusst, vertreten ihre Meinung und erfüllen sich ihre Wünsche. So auch das Fliegen, welches sie schon länger fasziniert. Nachdem beide einen Flugschein absolviert haben, kaufen sie sich ein eigenes Flugzeug, den Mauersegler, durch den das Buch seinen Namen trägt. All das ist vor allem Ende der 1920er Jahre nicht üblich. Nur wenige Frauen fliegen, es ist noch immer eine Männerdomäne, auch wenn es einige berühmte Frauen gibt, die auch für Deutschland fliegen. Die beiden Freundinnen werden anfangs belächelt und nicht ernst genommen. Ihnen wird sehr viel Argwohn entgegen gebracht: Wie kann es sein, dass Frauen sich für den Beruf des Fliegens entscheiden, wo sie doch Mütter und Hausfrauen sein könnten? Zumindest sind das alles Fragen, denen sie sich immer wieder stellen müssen. Doch sie lieben das, was sie tun. Marianne, die inzwischen verheiratet ist und einen kleinen Sohn hat, muss sich vor allem vor ihrem Mann immer wieder rechtfertigen. Vor allem kurz vor der Zeit des 2. Weltkriegs, in der sich auch die Gesetze der Ehe weiter ändern, muss sie darum kämpfen, weiterhin fliegen zu können. Denn ihr Ehemann hält stark an den Werten des neuen Deutschlands fest, in dem sehr klar ist, welche Rolle die Frau haben sollte: Hausfrau und Mutter. Dass seine Frau für Reklame- und Transportflüge durch Deutschland und Europa fliegt ist gar nicht im Sinn ihres Ehemanns Herrmann. Er bedrängt sie immer weiter, zeigt auf, welche Rechte sie als Ehefrau in Deutschland noch hat und setzt sie immer weiter unter Druck. Ein unglaublicher Balanceakt für Marianne, die sich vor allem um ihren Sohn Sorgen macht.

Das Buch hat mich direkt in seinen Bann gezogen. Vor allem die Geschichte rund um Marianne und Roseanne hat es mir angetan. Diesen Part fand ich um einiges spannender als die Jetzt-Zeit rund um Juliane. Das liegt wahrscheinlich vor allem daran, dass ich mit Juliane nicht ganz warm geworden bin. Ich konnte einige Entscheidungen von ihr nicht nachvollziehen und sie war mir einfach nicht richtig sympathisch. Umso mehr mochte ich Johann. Ihn habe ich sehr schnell ins Herz geschlossen und war gespannt zu erfahren, wie seine Geschichte lautet und wie sie mit der anderen Zeit verbunden ist. Marianne und Roseanne finde ich unglaublich. Ich habe großen Respekt davor, dass sie zu dieser Zeit den Mut haben, für sich und ihre Interessen einzustehen und sich gegen scheinbar alle Widrigkeiten stellen, um für sich das bestmögliche Leben zu erhalten. 

Fazit:
Dieses Buch handelt von Mut, Freiheit, aber auch den fehlenden Möglichkeiten, welche vor allem Frauen zur Zeit der 1920er und 1930er Jahre hatten. Die Geschichte rund um Marianne und Roseanne hat gezeigt, dass man sich manchmal gegen die Gesellschaft stellen muss, um ihr einen Spiegel vorzuhalten und zu zeigen, wie absurd manche Erwartungen doch sind.


Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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