[Rezension] Calypsos Irrfahrt – Cornelia Franz

Titel: Calypsos Irrfahrt
Autorin: Cornelia Franz
Verlag: Carlsen

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Klappentext:
Vier Wochen Segeltörn im Mittelmeer! Oscar ist schon am dritten Tag mit seinen Eltern langweilig. Doch dann fischen sie zwei vollkommen erschöpfte Kinder in einem Rettungsring aus dem Wasser. Es sind Nala und ihr kleiner Bruder Moh, die von einem Flüchtlingsboot gefallen sind. Nun beginnt eine Odyssee von Land zu Land: Nirgends dürfen die Kinder von Bord. Und je länger die Reise dauert, desto mehr freunden sie sich mit Oscar an. Schließlich kann er sich gar nicht mehr vorstellen, die beiden einfach in irgendeinem Flüchtlingslager zurückzulassen, wie von seinen Eltern geplant. [Quelle: Carlsen]

Meine Meinung:
Es handelt sich hierbei um ein Kinderbuch, welches mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Es ist eine aktuelle und traurige Geschichte, die den Leser teilweise sehr wütend zurücklässt. Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen Sichten erzählt: Aus Sicht von Oscar und aus Sicht von Nala und Moh. Das macht die Dimension der Geschichte nochmal sehr deutlich. Oscar hat sich vorher nie Gedanken darüber gemacht, was in der Welt passiert. Er selbst ist noch in der Grundschule und hat deshalb nur am Rande mitbekommen, dass es Probleme in der Welt gibt. Er hat Freunde, geht zur Schule, lernt und macht Urlaub mit seinen Eltern auf einem Segelboot.

Schon nach kurzer Zeit langweilt sich Oscar sehr auf dem Segeltörn mit seinen Eltern und ihrem Hund. Er hätte nicht gedacht, dass er so wenig machen kann. Jeder Tag sieht gleich aus. So hatte er sich seine Ferien nicht vorstellt. Seine Freunde haben nach den Ferien bestimmt viel mehr zu erzählen als er. Davor scheint Oscar Angst zu haben. Doch als sie dann auf dem offenen Meer einen Rettungsring mit zwei Kindern entdecken, ist jede Langeweile vergessen. Seine Eltern retten die beiden aus dem Wasser und sie verständigen sich mit Händen und Füßen. Denn die Beiden, die sich als Nala und Moh vorstellen, können kein Deutsch. Oscars Eltern überlegen, wie sie mit den beiden Kindern umgehen sollen und was die nächsten Schritte sind. Als sie das nächste Mal an Land anlegen, fragen sie die Hafenmeister, wie es mit den Kindern weitergehen soll. Schließlich können sie sie nicht einfach auf dem Segelboot mitnehmen. Die Kinder müssen ja registriert werden. Doch jede Stadt, die sie im Verlauf der Reise anfahren, verweigert den beiden Kindern die Einreise. Niemand an Land kann oder besser gesagt will helfen, Die Eltern werden von Stelle zu Stelle verzweifelter. Ihr Urlaub neigt sich langsam dem Ende und sie wissen nicht, was sie mit den Kindern tun sollen. Es ist schließlich auch nicht ihre Verantwortung. Sie haben Nala und Moh aus dem Meer gerettet, weil beide sonst wahrscheinlich zeitnah ertrunken wären. Aber dass ihnen nun niemand hilft, verstehen sie nicht.

Oscar wiederum freut sich über die neuen Freunde und vor allem auch darüber, dass er nach den Ferien eine richtige Geschichte zu erzählen hat. Er lernt die beiden Kinder immer besser kennen, und das, obwohl sie nicht dieselbe Sprache sprechen. Doch vor allem Kinder finden immer wieder Möglichkeiten, sich auch ganz ohne Sprache zu verstehen. Sie bringen sich gegenseitig Begriffe aus ihrer Sprache bei, spielen und malen gemeinsam und genießen die Zeit auf dem Boot. Oscar versteht nicht, warum sich seine Eltern solche Gedanken machen. Und vor allem kann er nicht nachvollziehen, warum sie Nala und Moh loswerden wollen. Es ist doch so schön zusammen und er hat endlich Freunde auf dem Boot.

Fazit:
Diese Geschichte ist unglaublich gut und klar erzählt. Durch die Augen eines Kindes wirken viele Regeln und Maßnahmen nicht nachvollziehbar und das wird in diesem Buch sehr schnell deutlich. Cornelia Franz hat mit wenigen Worten deutlich gemacht, wie verwirrend die aktuelle Flüchtlingspolitik in Europa ist. Eindeutig eine verdiente Auszeichnung!


Vielen  Dank an den Carlsen Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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