[Rezension] Spinster Girls. Was ist schon normal? – Holly Bourne

Die Spinster Girls Reihe von Holly Bourne war im letzten Jahr in aller Munde. Und bevor im Sommer der dritte Teil erscheint, möchte ich euch heute meine Meinung zu Teil eins vorstellen.

Habt ihr die Bücher schon gelesen?

Titel: Spinster Girls. Was ist schon normal?
Autorin: Holly Bourne
Übersetzung: Nina Frey
Verlag: dtv
Seitenzahl: 416 Seiten

Was ist schon normal

Klappentext:
Alles, was Evie will, ist normal zu sein. Und sie ist schon ziemlich nah dran, denn immerhin geht sie wieder zur Schule, auf Partys und hat sogar ein Date. Letzteres entpuppt sich zwar als absolutes Desaster, dafür aber lernt sie dadurch Amber und Lottie kennen, mit denen sie den Spinster Club gründet. Doch schafft sie es auch, mit ihren neuen Freundinnen über ihre Krankheit zu sprechen? [Quelle: dtv Verlag]

Meine Meinung:
Nachdem ich so viel Gutes über dieses Buch gehört habe, war ich gespannt, ob es mich ähnlich fesseln wird wie den Großteil der Buchgemeinschaft. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Dieses Buch thematisiert den Feminismus auf eine alltägliche und vor allem auch verständliche Art und Weise, sodass wahrscheinlich vor allem die weibliche Leserschaft immer wieder mit dem Kopf nicken wird.

In diesem ersten Teil der Reihe geht es um Evie, die unter einer Zwangsstörung leidet, in Therapie ist und nur eins will: endlich normal sein. Doch was bedeutet es überhaupt, normal zu sein? Und warum strebt sie genau das an? Ihr ist vor allem wichtig, dass niemand etwas von ihrer Krankheit erfährt. Sie hat Angst, als Verrückte oder Kranke abgestempelt zu werden und gar nicht mehr die Möglichkeit zu bekommen, normal zu werden.

Als sie auf einer Party Amber und Lottie kennen lernt, freundet sie sich schnell mit den Beiden an. Bei ihren Treffen wird schnell klar, dass es irgendwie doch immer nur um Jungs geht und wie sie die Mädels sehen. Und so stellen sie sich die Frage: Warum ist es ihnen so wichtig? Warum wollen sie Bestätigung erhalten? Und ist es nicht auch so, dass sie im Alltag oft nur belächelt werden, wenn sie fernab ihres Aussehens bewertet werden wollen? Was ist nur los mit unserer Welt? In ihrem Alltag spielt es immer noch eine große Rolle, dass sie ein Mädchen bzw. eine junge Frau sind. Aber das sollte es doch eigentlich gar nicht. Warum werden sie auf diese Geschlechterrolle reduziert? Schnell ist die Idee nach einer Art feministischen Zirkel geboren, bei dem sie sich treffen und über wirklich wichtige Themen des Feminismus sprechen. Und versuchen, Jungs außen vor zu lassen. Die Spinster Girls sind geboren. [Kleiner Einschub: Spinster bedeutet so etwas wie alte Jungfer und wird von den Mädels in etwas Positives umgewandelt.]

Und auch fernab ihres Clubs versuchen sie, in ihrem Alltag auf Themen und Situationen Einfluss zu nehmen, die sie eigentlich wieder nur als „Mädchen“ abstempeln. Aber in diesem Buch geht es, wie schon geschrieben, nicht nur um Feminismus, sondern vor allem auch um die Zwangsstörung, die Evie erleidet und die schubweise immer wieder ans Licht kommt. Obwohl sie das nicht wahrhaben möchte. Sie verschließt die Augen vor den eindeutigen Entwicklungen, spielt sie herunter und möchte sich einreden, dass alles gut ist. Dass sie normal ist. Doch der Leser kann im Verlauf des Buches mitverfolgen, wie sie wieder in den Strudel der Ängste hineingezogen wird. Und vor allem auch, welche Ausreden und Verdrängungsmechanismen sie verwendet, um diese Entwicklungen so weit wie möglich aus ihrem Blickwinkel zu verdrängen.

Holly Bourne hat mit diesem Auftakt eine unglaubliche Geschichte erschaffen. Sie zwingt den Leser dazu, auf alltägliche Situationen zu achten und diese zu bewerten. Als ich die Beschreibungen der Mädchen gelesen habe, sind mir immer wieder andere Beispiele eingefallen, in denen auch mir gegenüber so gehandelt wird. Es sind Kleinigkeiten. Aber genau diese Kleinigkeiten häufen sich an. Und das sollte nicht so sein. Im Alltag sollten wir mehr reflektieren und vor allem auch realisieren, was wir sagen oder wie wir uns verhalten.

Die Autorin hat einen tollen Schreibstil, der so unglaublich leicht und ohne Schnörkel daher kommt und einfach in ihren Bann zieht. Ich habe das Buch in nur wenigen Tagen gelesen und danach direkt den zweiten Teil verschlungen. Sie hat eine (reale) Welt erschaffen und durch ihre Beschreibungen hoffentlich einigen Leuten die Augen geöffnet und aufgezeigt, dass Frauen vieles überhaupt nicht akzeptieren müssen. Und vor allem auch, dass es falsch ist, wie unterschiedlich Männer und Frauen noch immer behandelt werden.

Holly Bourne

Fazit:
Dieses Buch ist unglaublich wichtig, denn es zeigt mit wenigen Mitteln auf, wie sehr Frauen heutzutage noch immer unter der scheinbaren Geschlechterrollen-Aufteilung leiden und wie wenig Einfluss sie oftmals darauf haben. Sie macht deutlich, dass jeder von uns im Alltag reflektieren sollte, was gesagt und wie gehandelt wird. Ich hatte viele Aha-Momente beim Lesen, vor allem bezüglich alltäglichen Situationen, die ich sonst gar nicht als ungerecht definiert oder gesehen hätte. Das Buch hat es geschafft, den Blick auf diese Ungerechtigkeit zu öffnen.

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Ein Gedanke zu “[Rezension] Spinster Girls. Was ist schon normal? – Holly Bourne

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